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Die Motorräder:    Honda Africa Twin RD07 und BMW R 1100 R
Land und Leute:
Grundsätzlich waren alle Leute (bis auf sehr wenige Ausnahmen) freundlich. Als Motorradfahrer kommt man in fernen Ländern schnell mit den Einheimischen ins Gespräch und trifft auf große Hilfsbereitschaft und Interesse.
In vielen der von uns bereisten Ländern gibt es immer noch große Armut und sehr starke Gegensätze. So kann es schon vorkommen, dass in größeren Städten an einer Ampel ein Pferdefuhrwerk neben einem Porsche Cayenne steht und auf Grün wartet. Uns, die wir in den westlichen Industieländern leben, sehen die Menschen dort als sehr wohlhabend an (was wir auch sind). Die wenigsten Leute, die dort leben, könnten sich eine solche Reise leisten. Dies sollte man nicht vergessen.
Landschaftlich gesehen, war die Reise sehr abwechslungsreich. Dennoch haben wir wohl aufgrund der knappen Zeit einiges Sehenswertes verpasst. Einige Eindrücke könnt Ihr anhand der Fotos sehen. Spontan fallen mir folgende Landschaftsbilder, welche sich besonders bei mir eingeprägt haben, ein:
Die fast menschenleere, dreispurige Autobahn, welche ab der türkisch-bulgarischen Grenze Richtung Istanbul führt. Wir fuhren dieses Stück in der Dämmerung und hinter uns schien die Welt zusammenzubrechen, da wirklich bedrohlich dunkle Wolken in unsere Richtung zogen.
Die abwechslungsreiche Landschaft nach der türkisch-griechischen Grenze, wo wir fast von einem Richtung Meer wehenden Sturm von den Motorrädern gefegt worden sind.
Natürlich Istanbul, die Megastadt. Es war ein Abenteuer mit den Motorrädern auf der 4-6 spurigen Autobahn, welche  quasi durch die Stadt führt, zu fahren. Man muss höllisch aufpassen, damit man nicht im Straßengraben landet.
Die grandiose Berglandschaft, welche man auf der fast menschenleeren Autobahn Albaniens, von der Grenze (Kosovo-Albanien) aus Richtung Adria durchquert.
Die Küstenstrasse der Adria, welche quasi von Albanien bis nach Triest reicht. Immer am kristallklarem Wasser entlang zu fahren war Belohnung für die Strapazen der Tour.
Das Delta am Fluss Neretva in Koratien. Hier ergiesst sich die Neretva in die Adria. Von einer Anhöhe kommend  kann man das gesamte Delta überblicken.
Das letzte Stück Strecke in Serbien Richtung bulgarische Grenze. Die Autobahn geht zu Ende und man fährt auf einer Landstrasse durch durchbohrte Felsen und malerische Schluchten.
Dubrovnik, die Perle der Adria. Man kommt auch von einer Anhöhe Richtung Stadt und kann die gesammte Stadt überblicken.
Der Fjord bei Kotor in Montenegro. Man fährt entlang malerischer Steinhausdörfer um den gesamten Fjord, am Wasser entlang herum.
Oft denke ich auch an die abenteuerlichen "Autobahnen" mit riesen Schlaglöchern, Vieh- und Schafherden neben und auf der Fahrbahn und Fahrzeugen die in der falschen Richtung unterwegs sind.
Die längste LKW-Kolonne, die ich je gesehen habe, stand bei der bulgarisch-türkischen Grenze. Ich habe die LKW´s nicht gezählt, aber es müssen über 100 gewesen sein.
Es ist daher ratsam, eine solche Tour nicht im Alleingang zu unternehmen und falls doch, dann mit der gebotenen Aufmerksamkeit.
Sicherheit:
Die Straßen - wir fuhren meistens auf Autobahn oder Schnellstrassen - waren durchweg in einem guten Zustand. Bis auf eine Situation in  Albanien, fühlte ich mich immer sicher bzgl. Kriminalität und dergleichen. Wir waren immer aufmerksam und haben uns nicht freiwilligin gefährliche Situationen gebracht.
Wie gesagt gab es in Albanien, kurz nach der Grenze zum Kosovo, eine merkwürdige Situation auf der fast Menschenleeren Autobahn: Vor mir fuhr ein teurer Mercedes mit albanischem Kennzeichen. Mitten auf der Autobahn gaben 5 Männer dem Mercedesfahrer ein Zeichen zum Weiterfahren, wollten mich aber anhalten. Rechts auf dem Pannenstreifen lag ein Mann am Boden. Wenn der Mann wirklich Hilfe bräuchte, dachte ich, wieso haben Sie dann nicht die Hilfe des Pkw-Fahrers in Anspruch genommen? Ich hab instinktiv einfach Gas gegeben und bin schnell um die Männer, die mitten auf der Autobahn standen und mich stoppen wollten, herumgefahren. Mein Schwager war zu diesem Zeitpunkt weiter von mir entfernt, so dass er das Ganze nicht mitbekommen hat. Als er an die besagte Stelle kam, waren die Männer schon verschwunden. Später wurde uns in Albanien von Passanten erzählt, dass etwas Ähnliches einem Österreicher in Griechenland passiert war. Er hatte jedoch weniger Glück und musste mit all seinem Geld, das er bei sich trug, sein Motorrad auslösen. Es wurde Ihm beim Wildcampen gestohlen und nur gegen Bezahlung wieder ausgehändigt.
Unterkünfte:
Wenn man sich die Kosten für die Übernachtungen anschaut, merkt man, dass es sich nicht lohnt, auf ein warmes Bett und eine heiße Dusche zu verzichten. Wir hatten ein Zelt dabei und wollten es anfangs auch nutzen. Nach teilweise 8 Stunden auf dem Bike möchte man sich dann aber doch lieber in ein weiches, sauberes Bett fallen lassen. Auch hatten wir nichts im Voraus gebucht, sondern suchten uns situationsabhänging eine Bleibe.
Zagreb:
Da mein Schwager und ich aus Kroatien stammen, haben wir in der Nähe von Zagreb bei unseren Familien übernachtet.
Sofia:
Die Nacht in Sofia verbrachten wir im "Best Western" Hotel. Nicht ganz billig, aber gut, und mit einem bewachtem Parkplatz.  (ca. 70 Euro/Nacht für das Doppelzimmer)
Istanbul:
In einem Vorort von Istanbul, direkt am Mittelmeer gelegen, war unsere Station das "Grand Gold Hotel". Ein günstiges Hotel, das saubere und große Zimmer hat. Ein Swimmingpool fehlt auch nicht. (ca. 30 Euro/Nacht für das Doppelzimmer)
Thessaloniki:
Direkt in Thessaloniki haben wir aufgrund der astronomischen Preise (allein ein kleines Bier im Zentrum kostet 7 Euro) nicht übernachtet. Stattdessen suchten wir uns südlich der Stadt am Meer, in einem Touristenörtchen, eine Unterkunft. (40 Euro / Nacht für das Doppelzimmer)
Skopje:
In Skopje wollte man uns in einer Jugendherberge ein ca. 4qm großes Zimmer für 50 Euro/Nacht andrehen. Dabei hätten wir für 60 Euro (nach Verhandeln) im Continental Hotel übernachten können. Letztlich blieben wir die Nacht in einem kleinen, netten Hotel fast direkt in der Altstadt gelegen. (45 Euro/Nacht für das Doppelzimmer - Hotel "Super 8")
Skoder:
Wie das Hotel in Skoder hies weis ich nicht mehr. Viele Hotels zur Auswahl gibt es aber auch nicht. Wir übernachteten in einem sehr günstigen Hotel, dass an der Hauptstraße liegt. Im Zentrum gibt es aber auch etwas bessere Hotels.
Kotor:
In dem sehr idyllisch gelegenem "Kotor" (im einzigen Fjord der Adria) haben wir in einer Privatunterkunft übernachtet. (30 Euro/Nacht für das Doppelzimmer)
Vodice - Zagreb:
Hier übernachteten wir wieder bei der Familie.
Ansonsten hatte ich noch eine kurze Hose, eine Badehose, eine Jeans, 1 Funktionsunterhemd, 3 T-Shirts, viele Unterhosen, 1 Paar Funktionssocken, mehrere Sportsocken und Turnschuhe dabei.
Kleidung:
Die richtige Kleidung entscheidet darüber, ob eine lange Tour ein Desaster oder ein Erlebnis wird. Für mich am aller wichtigsten sind die Schuhe. Für diese Reise habe ich mir extra neue Stiefel besorgt. Da habe ich richtig Geld in die Hand genommen (300 Euro) und dies auch nicht bereut! Meine Wahl fiel auf die Endurostiefel SIDI Adventure. Der Stiefel hat meine Füße, auch bei Dauerregen, immer schön trocken gehalten. Ich bin mir sicher, dass ein Stiefel um die 150 Euro hier kläglich versagt hätte. Goretex ist halt immer noch die beste, aber dafür auch teuerste Wahl.
Als Hose diente mir eine 100 Euro Textilhose, mit extra winddurchlässigen Stellen. Meine 10 Jahre alte Textiljacke von Polo musste wieder mal herhalten. Da Hose und Jacke nicht mit Goretex veredelt sind, besorgte ich mir noch eine  Regenkombi. Ich wählte einen Einteiler, was sich als falsche Wahl herausstellen sollte. Das An- und Ausziehen eines Einteilers ist viel umständlicher als bei einem Zweiteiler. Irgendwann war ich davon genervt und zog trotz starker Bewölkung erst immer dann die Kombi an, als es schon zu spät war. Mein Schwager tat sich mit seinem Zweiteiler viel leichter. Beim Zweiteiler kann man schnell mal die Jacke abnehmen. Beim Einteiler muss immer gleich das ganze Teil runter inkl. Stiefel, da die Hosenbeine nicht für Endurostiefel gemacht sind. Der Zweiteiler hält genau so trocken wie der Einteiler. Ich empfehle jedem einen Zweiteiler und werde mir auch einen zulegen. Der Einteiler ist in meinen Augen nicht praxistauglich.
An Handschuhen hatte ich zwei Paar dabei. Wenn ein Paar nass wird, kann man auf das andere ausweichen.
Gepäck:
Diebstahlschutz: eine dicke Kette mit Schloss; ein Bremsscheibenschloss;
Kartenmaterial: 1 x Straßenatlas Europa; 1 x Navigation - Garmin Street Pilot 3
Übernachtung: ein 2-Mannzelt; ein Schlafsack;
Hygiene: 1x Kulturbeutel mit allem, was man so braucht; 2 Handtücher; 1 Rolle Klopapier; mehrer Päckchen Taschentücher; ein Erste Hilfe Pack inkl. Medikamente gegen Durchfall, Kopfschmerzen, entzündete Augen und Schmerzen.
Zuerst eimal muss ich sagen, dass ich viel zu viel Gepäck dabei hatte. Alleine am Werkzeug hätte ich wohl 3-5 kg zu Hause lassen können. Wer wie wir nur auf guten Straßen unterwegs ist, dem genügt eingentlich das Bordwerkzeug. Obwohl, zum Kette-Nachspannen sollte man dann doch lieber eine gute Ratsche und Gabelschlüssel dabei haben.
Folgende Sachen hatte ich, soweit ich mich noch erinnern kann, dabei:
Werkzeug: 3 unterschiedlich große Ratschen; Gabelschlüsses in verschiedenen Größen; einen Schraubenzieher mit Bit-Einsätzen;verschiedene Zangen; 2 Montiereisen; Reifenpannenspray; Metalldichtpaste; Ersatztstromkabel und Schlauchleitungen; ein Multimeter; WD40 Spray; Reparaturanleitung für mein Bike; Ersatzbowdenzüge; Reifenflickzeug; Imbusschlüsselsatz; ein Abschleppseil; 2 Dosen Kettenspray;
All dass war in zwei Koffern einer Gepäckrolle und einem Tankrucksack verstaut. Das Zelt dazu noch extra auf dem Gepäckträger.
Die Gesamtkosten pro Person beliefen sich also auf ca. 1115 Euro.
Kosten:
Die Tour war nicht billig. Allein die Benzinkosten betrugen ca. 400 Euro/Bike.  Die Übernachtungen beliefen sich auf ca. 120 Euro/Person.   Dazu kommen noch ca. 180 Euro/Person für Verpflegung. Geschätzte 50 Euro muss man für Autobahngebühren rechnen. Im Kosovo ist der Abschluss einer KFZ-Versicherung an der Grenze für die Einreise nötig (15 Euro).
Mich hat die Tour noch zusätzlich einen neuen Hinterreifen und  Kettensatz gekostet (ca. 250 Euro). Es ist ohnehin dringendzu empfehlen, eine solche Tour mit neuen Reifen anzutreten.
Wider Erwarten und Berichten im Internet mussten wir kein einziges Mal Schmiergeld an Beamte in Uniform abdrücken.
Juni 2011
Gemeinsam mit meinem Schwager unternahm ich 2011 eine meiner besten Motorradtouren. Die "Balkan-Tour" war sehr anstrengend, aber einmalig und ein Abenteuer. Dennoch würde ich mir beim nächsten Mal viel mehr Zeit dafür nehmen oder ich würde die Tour abspecken. Wir hatten 11 Tage, davon allein 9 Tage Fahrt, was eindeutig zu wenig Zeit war. Wir fuhren an diesen 9 Tagen über 4500km.
Die Route:
Etappe 1:        München (D) - Zagreb (HR)
Etappe 2:        Zagreb (HR) - Belgrad (SRB) - Sofia (BG)
Etappe 3:        Sofia (BG) - Istanbul (TR)
Etappe 4:        Istanbul (TR) - Thessaloniki (GR)
Etappe 5:        Thessaloniki (GR) - Skopje (MK)
Etappe 6:        Skopje (MK) - Prizren (RKS) - Skoder (AL)
Etappe 7:        Skoder (AL) - Budva (MNE) - Kotor (MNE)
Etappe 8:        Kotor (MNE) - Vodice (HR)
Etappe 9:        Vodice (HR) - Zagreb (HR)
Etappe 10:      Zagreb (HR) - München (D)


by Tomi K.
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